Die Jahrhundertflut

 

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 2002: Beschäftigte, Kunden und Geschäftspartner der Curt Bauer GmbH freuen sich über den bald stattfindenenen 120. Geburtstag des Unternehmens Curt Bauer. Doch in dieser Nacht denkt daran niemand mehr. Draussen tost der Fluss Schwarzwasser, der Hochwasspegel steigt unaufhörlich. Niemals in dem 120-jährigem Firmenbestehen war der Hochwasserpegel so hoch. Die Flut steigt weiter: Um 13:00 Uhr wird die Produktion gestoppt. Ab diesem Zeitpunkt geht es nur noch darum, die Wassermassen aufuzuhalten. Feuerwehr, Belegschaft und erste Helfer füllen Sandsäcke. Bereits nachmittags stehen die Strassen rund herum sowie der Werkshof bereits knöcheltief unter Wasser. Die letzten Mitarbeiter schaffen es gerade noch, dass Firmengelände zu verlassen. Gegen 22.30 Uhr rollt die gigantische Flutwelle aus den Flüssen Mulde (Ein Nebenarm der Elbe) und Schwarzwasser heran. Dienstag Morgen gegen halb drei ist der Kampf verloren: 70 Zentimeter hoch steht die braune Brühe im Hof, 40 Zentimeter in der erst 1998 eröffneten Weberei und 1,80 m  in der Veredlung. Die stabile Brücke über den Fluss Schwarzwasser, die die beiden  Werkshälften miteinander verbindet und auf der Michael Bauer tags zuvor stand, wurde von den Fluten fortgerissen.

 

Später wird man festellen, dass dieses Jahrhundertflut Ware im Wert von rund zwei Millionen Euro und Maschinen sowie Gebäude im Wert von sieben Millionen Euro zerstört hat. Zu diesem Zeitpunkt ist das noch nicht absehbar: In den Wochen nach der Katastrophe zählt für die Familie Bauer genau wie für die Mitarbeiter nur eins: Es muss weitergehen!

„Ein mutiger Gedanke, als hunderte Hände pausenlos Schlamm schaufeln und es nutzt scheinbar nichts. Immer nur Dreck, Dreck, Dreck…! Doch ans Aufgeben dachte keiner“, so erinnert sich Gert Bauer heute an die ersten Momente, nachdem der Schock vorbei war.Doch wie schon so oft kann sich die Curt Bauer GmbH auf ihre Mitarbeiter verlassen: Es werden sofort die Ärmel hochgekrempelt und losgelegt, bei Curt Bauer steckt niemand den Kopf in den Sand. Unvergessen in diesen Tagen sind die unzähligen Helfer aus dem ganzen Erzgebirge; oft wildfremde Menschen, die im Unternehmen mithilfen und mit anpacken.

 

Dank des Landratsamt und des Auer Rathauses, der Bundes- und Landesregierung und der Sächsischen Aufbaubank: Die Soforthilfe und die Fördermittel laufen zeitnah und unbürokratisch an. Gerade einmal zwei Wochen dauert es, bevor die Weberei mit der vorhandenen Technik starten kann, gut vier Wochen später nimmt auch die Veredlung wieder ihren Betrieb auf. Die fortgerissene Brücke über den Fluss Schwarzwasser macht einen innerbetrieblichen Transport unmöglich. Also helfen Soldaten aus und richten einen alten Eisenbahnviadukt her, um über den Fluss zu gelangen: Nun funktioniert die Technologie wieder. Engpässe werden dank Kooperation mit anderen Betrieben gemeistert. „Wir haben wegen der Hochwasserfolgen keinen Kunden verloren“, freut sich Gert Bauer.

 

Doch die unmittelbaren Schäden sind enorm: An den meisten Maschinen ist die Eletronik defekt, alle Motoren müssen vor Inbetriebnahme überholt werden. Der Curt Bauer GmbH bleibt in dieser Zeit nur ein einziger Weg: Nach vorne. Die Veredlung der Curt Bauer GmbH wird komplett rekonstruiert, es wird modernste Technik eingekauft, die Hallen werden modernisiert, der Hochwasserschutz modernisiert und eine neue Brücke über den Schwarzwasser gebaut.In den Jahren 2003 und 2004 bedeuteten diese Investition monetär ein Volumen von rund sieben Millionen Euro. Niemals gab es seit der Gründung 1882 eine größere Herausforderung für das Unternehmen Curt Bauer. Doch das Team von Curt Bauer hat diese Prüfung mit bravour gemeistert, nicht zuletzt dank der Unterstützung der vielen Partner.

Heute erinnert an die Jahrhundertflut nichts mehr. Lediglich einige Archivfotos und Zeitungsartikel sind von der schlimmsten Nacht der Curt Bauer GmbH geblieben.