Die Unternehmensgeschichte von Curt Bauer

 

Im Jahr 1882 wird die seit 1867 in Aue ansässige Geißlersche Weberei von dem Berliner Baumwollunternhmen Samuel Wolle übernommen. Die Leitung übernimmt Alwin Bauer.

Alwin Bauer, Kaufmann und Weber, strukturiert das Unternehmen um und macht es zu einem leistungsstarken, merhstufigen Textilbetrieb. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts besitzt die Produktion hunderte von  Webstühlen und eine komplette Ausrüstung und Konfektion. Im Jahr 1898 erwirbt die Firma Samuel Wol­le eine Weberei in Eibau in der Oberlau­sitz, ab 1920 beteiligt sich Samuel Wolle an ein in Chemnitz ansässigen Weberei. Zu dieser Zeit floriert besonders das Exportgeschäft durch den international herovrragenden Ruf des Unternehmens. Das Hauptproduktportfolio besteht zu dieser Zeit aus Tischzeugen, Bettstoffen, Wäschekonfektions- und Rolleauxstoffe sowie Gartendecken und Frot­tiertücher. Hier finden Sie die aktuelle Bettwäschekollektion von Curt Bauer


Die Marke „Merlin“

„Merlin“ ist der Markenname für mercerisiertes Linnen. Im Jahr 1906 zählt das Unternehmen 758 Arbeiter, zu dieser Zeit werden vielen Gebäude errichtet und die Weberei und Fertigwaren­aufmachung erweitert. 1910 entsteht eine eigene Küche und ein Speisesaal, sogar eine Betriebskrankenkasse und Altersvorsorgung werden etabliert. Georg Wolle stirbt 1906, sein Neffe Siegfried Hei­demann übernimmt ab nun seine Position als Inhaber. Ab dem Jahr 1915 ist Curt Bauer, Sohn von Alwin Bauer, Mitinhaber und tritt schon bald als Unternhemenschef in die Fußstapfen seines Vaters. Geleitet von Curt Bauer wird 1920 die OHG in die Kommandit-Gesellschaft S. Wolle GmbH Aue i. Sa. umfirmiert. 1922 gehören neben der Zettelei, Schlichterei, Spulerei, Weberei und Musterzeichnerei auch die Bereiche zur Veredlung der Gewebe, wie die Rauhe­rei, Sengerei und die Bleicherei mit zum Betrieb genau so wie die Färberei und die Mercerisier- und Appreturan­stalt. Die KG wird 1926 ein weiteres Mal umfirmiert: Zur S. Wolle GmbH. Sieg­fried Heidemann scheidet am 1. Ja­nuar 1927 aus dem Unternehmen aus. Während der 1930er Jahre wird das Unternehmen S. Wolle zwangsweise von den Nationalsozialisten in Curt Bauer umbenannt, da S. Wolle jüdischer Herkunft war.

Während dieser Zeit erfolgte die Unterbrechnung der Webproduktion, da Teile der Produktion durch die Nationalsozialisten anderen Unternehmen, die im Bereich der Rüstung tätig waren, freigemacht wurden. Die Webstühle wurden ausgelagert. Zum Vergleich: 1939 arbeiteteten 640 Webstühle, 1945 hingegen waren es gerade einmal 45, auch die Zahl der Arbeiter sinkt von über 700 auf 125. Zu dieser Zeit wehrt sich Curt Bauer gegen die unmenschliche und abscheuliche Behandlung der Arbeiter in der Auer Rüstungsproduktion. Aus diesem Grund wurde Curt Bauer 1943 inhaftiert. Nach dem Attentat auf Hitler erhielt Curt Bauer eine Vorladung vom „Volksgerichtshof“ aufgrund von Wehrkraftzersetzung, was einem Todesurteil gleichkam. Um der Haft und der mutmaßlichen Hinrichtung zu entgehen, wählte Curt Bauer am 30.08.1944 den Freitod.

Die Söhne von Curt Bauer, Alexander und Wolfgang, führen nach dem Tod von Curt Bauer das Unternehmen Firma weiter. Curt Bauers Frau Margarethe bleibt bis zu ihrem Tod im Jahr 1966 Gesellschafterin. Da Curt Bauer Opfer des nationalsozialistischen Regimes war, wird der Betrieb nicht durch die sowjetischen Besatzungsmächte enteignet, obwohl die Spannungen mittlerweile wachsen. Wolfgang Bauer geht aufgrund der Diskrepanzen in den Westen Deutschlands, während Alexander Bauer gegen die teilweise exorbitanten Steuern von bis zu 100 % Prozent weiter die Stellung hält. Doch im Jahre 1953 werden Alexander Bauer und seine Mutter Margarethe unter dem Vorwurf einer unbeglichenen Steuerschuld verhaftet. Im Prozess werden sie zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt. Doch der Arbeiteraufstand vom 17. Juni zwingt die Führung zum Einlenken: Alexander und Margarehte Bauer werden aus der Haft entlassen und Alexander erhält die Erlaubnis, den Betrieb weiterzuführen.

In den nachfolgenden Jahren werden Betriebsküche und -kindergarten gebaut, eine Sanitätsstelle sowie Ferienobjekte. Um die mittlerweile in die Jahre gekommene Technik erneuern zu könnnen, muss Alexander Bauer 1957 eine staatliche Beteiligung akzeptieren. 15 Jahre später erfolgt dann schließlich doch die Verstaatlichung, doch die Belegschaft und Inhaberfamilie sind trotz alledem tief miteinander verwurzelt. Der sogenannte „volkseigene Betrieb (VEB) Damast Weberei Aue“ bleibt bis 1990 bestehen und beschäftigt zuletzt 700 Mitarbeiter. Die Söhne von Alexander Bauer verbringen ihre Kindheit im elterlichen Haus, welches sich direkt neben der Damast Weberei befindet. Geprägt werden beide in dieser Zeit durch die Anstrengungen, das Unternehmen unter den sozialistischen Bedingungen zu retten. Gert Bauer absolviert ab 1980 die Facharbeiterausbildung in der Damast Weberei Aue. Nahezu die gesamte Produktion von Bettwäsche und Tischwäsche wird in westliche Länder exportiert. Alexander Bauer leitet das Werk bis zum Ruhestand im Jahr 1981, anschließend leiten Betriebsdi­rektoren Bertram Höfer, Gerd Arnold und Ulrich Oertel die (VEB) Damast Weberei Aue. Zum Fall der Mauer besitzt der Betrieb verschlissene und überholte Technik und ein Sortiment, welches kaum als wettbewerbsfähig zu bezeichnen ist. Der große Benefit des Unternehmens sind allerdings wieder einmal die hoch qualifizierten und sehr motivierten Mitarbeiter.

 

Bereits im März 1990 stellt Alexander Bauer einen Antrag auf Reprivatisierung. Vom 1. Juli 1990 an firmiert der Treuhandbetrieb als „Curt Bauer GmbH im Aufbau”, zeitgleich übernehmen Michael und Gert Bauer das Unternehmen. Erst im März 1993 bestätigt die Treuhand rückwirkend zum 1. Juli 1991 den Antrag auf Reprivatisierung. Seitdem leiten Michael und Gert Bauer als Geschäftsführende Gesellschafter die Curt Bauer GmbH Aue.

 

In der wirtschaftlich schwierigen Folgezeit gelingt zunächst das Überleben und die Sicherung erster Investitionen. 1990 beginnen bereits 15 moderne Jacquardwebautomaten mit ihrer Arbeit, 1992 wird der zweite Teil der Investitionsvorhabens realisert: die Weberei. Nun ist die Produktion der Curt Bauer GmbH wieder State of the Art: Es wird eine neues Vertriebssystem aufgebaut und passt das PRoduktportfolio den Kundenwünschen und -bedürfnissen an. In dieser Zeit wird vor allem Meterware für konfektionierte Bettwäsche verkauft. Das Versandgeschäft etabliert sich zur Cash Cow und der westafrikanische Markt bleibt ein weiteres Standbein.

Mitte der 1990er Jahre wird der nächste Investitionsschritt getätigt: In der Veredlung entsteht eine Abwasseraufbereitungsanlage. 1998 wird eine 3.500 m² große, klimatisierte Halle fertiggestellt,  die zukünftig Weberei und das Rohwaren und Garnlager beherbergt. Seit 1996 liefert die Wasserturbine, die zu DDR-Zeiten verschrottet wurde, ein Fünftel des Stroms, der durch die Curt Bauer GmbH benötigt wird. Im Jahr 2000 wird die klassische Greiferwebtechnik durch Luftwebanlagen ergänzt.

Im Bereich der Produktion haben Veredlung und Umwelttechnik Vorrang: In den Jahren 2003 und 2004 schafft die Curt Bauer GmbH mit den größten Investionen seit Gründung ein Fundament, um sich nicht nur auf dem deutschen, sondern auch auf internationalen Märkten etablieren zu können. Das Hauptaugenmerk leigt hierbei bei der Rekonstruktion der Veredlung innerhalb eines halben Jahres, der komplette Umbau der Hallen sowie der Hochwasserschutz. Das Investitionsvolumen für Gebäude und Technik beträgt sieben Millionen Euro. Diese Investitionen sind nötig, um die hohen Kundenerwartungen an Dessins, Modetrends, Größe, Schnitt und der Qualität zu erfüllen. Zwar ist „Made in Germany“ immer noch ein Garant für eine hohe Qualität, doch die internationale Konkurrenz stellt ebenfalls qualititativ hochwertige Waren her, weshalb die Behauptung der erarbeiteten Marktpositionen das gesetzte Ziel ist.

Heute geniessen Produkte von Curt Bauer nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen Ländern Europas, Westafrikas, Nordamerikas, Mittel­und Ostasiens und in Russland einen hervorragenden Ruf. Die Curt Bauer GmbH avancierte zu einem Global Player. Die Curt Bauer GmbH versteht es, 120 Ar­beitsplätze langfristig zu sichern und das Leben der Menschen in Sachsen zu bereichern, sei es durch die Unterstützung von Vereinen, Sport und Kultur. Jedes Jahr beginnen 13 Lehrlinge ihre Ausbildung in der Curt Bauer GmbH in Ausbildungsberufen wie Maschinen- und Anlagenführer für Textiltechnik, beziehungsweise -Veredlung, Fach­lagerist oder Bürokauffrau/-mann. Im Jahr 2002 wurde im Vogtland das Unternehmen „Bauer Pausa GmbH“ gegründet, wo mittlerweile 28 Beschäftigte Bettwäsche für die Curt Bauer GmbH konfektionieren.